Don Miguel Cervantes:
"Er war ein schöner, kräftiger Mann, Don Miguel
Cervantes de Saavedra. Seine Stirn war hoch, und sein Herz war weit.
Wundersam war die Zauberkraft seines Auges. Wie es Leute gibt, welche
durch die Erde schauen und die darin begrabenen Schätze oder
Leichen sehen können, so drang das Auge des großen
Dichters durch die Brust der Menschen, und er sah deutlich, was dort
vergraben. Den Guten war sein Blick ein Sonnenstrahl, der ihr Inneres
freudig erhellte; den Bösen war sein Blick ein Schwert, das
ihre Gefühle grausam zerschnitt. Sein Blick drang forschend in
die Seele eines Menschen und sprach mit ihr, und wenn sie nicht
antworten wollte, folterte er sie, und die Seele lag blutend auf der
Folter, während vielleicht ihre leibliche Hülle sich
herablassend vornehm gebärdete."
Aus der Einleitung von Heinrich Heine in: "Der sinnreiche Junker Don
Quixote von La Mancha."
Stuttgart (Brodhagsche Buchhandlung) 1837
Charles Dickens
Seine ersten Romane entstanden als
Fortsetzungs-Geschichten in
Zeitungen, oft schrieb er an mehreren gleichzeitig. In ihnen schilderte
er das Milieu der Großstadt. Es ging ihm nicht nur um
literarischen Erfolg, sondern er wollte das
Gewissen seiner Zeit wachrütteln und den Weg für
soziale
Reformen ebnen.
Große
Erwartungen („Great
Expectations“)
verfasste Dickens 1860 und 1861. Der Roman weist thematisch viele
Ähnlichkeiten mit "David Copperfield" auf.
Charakteristisch für seine Schreibweise ist die scharfe
Beobachtungsgabe und sein psychologisches Feingefühl mit der
er
ein Bild der Viktorianischen Zeit zeichnet.
Edgar
Allan Poe
Die
Schattenseiten seines Lebens:
Als Waisenjunge kam er in eine Pflegefamilie und verbrachte einige
Jahre in Schottland und England. Sein Studium brach er nach einem
halben Jahr ab. Vom Militärsdienst wurde er unehrenhaft
entlassen wegen vorsätzlicher Vernachlässigung
seiner
Pflichten. Er arbeitete als Zeitschriften-Redakteur und begann nebenher
Kurzgeschichten in Magazinen zu veröffentlichen.
Er war nicht nur Alkoholiker und Opiumkonsument, sondern hegte
nekrophilie, wenn nicht gar sadistisch-nekrophilie Neigungen.
Beispielsweise fürchtete er lebendig begraben zu werden und
endete
unter verheerenden Umständen, vermutlich völlig von
Sinnen,
halbnackt, als Opfer einer Gewalttat.
Obwohl man ihn hauptsächlich für seine
düsteren
Geschichten kennt und schätzt, schrieb er auch Satiren,
Gedichte
und naturwissenschaftliche Abhandlungen.
Der Rabe
Eines Nachts aus gelben Blättern mit verblichnen Runenlettern
Tote Mären suchend, sammelnd von des Zeitenmeers Gestaden
Müde in die Zeilen blickend und zuletzt im Schlafe nickend
Hört' ich plötzlich leise klopfen, leise doch
vernehmlich klopfen
Und fuhr auf - erschrocken stammelnd: "Einer von den Kameraden",
"Einer von den
Kameraden"
In dem letzten Mond des Jahres, um die zwölfte Stunde war es,
Und ein wunderlich Rumoren klang mir fort und fort im Ohre
Sehnlichst harrte ich des Tages, jedes neuen Glockenschlages;
In das Buch vor mir versenken, wollt ich all mein
Schmerzgedenken,
Meine Träum' von Leonoren, meinen Gram um Leonore,
Um die tote Leonore
Seltsame, phantastisch wilde, unerklärliche Gebilde,
Schwarz und dicht gleich undurchsicht'gen nächtig dunklen
Nebelschwaden
huschten aus den Zimmerecken, füllten mich mit tausend
Schrecken
So daß ich nun bleich und schlotternd, immer wieder angstvoll
stotternd
Murmelte, mich zu beschwichtigen: "Einer von den Kameraden",
"Einer von den
Kameraden"
Alsbald aber mich ermannend, fragt' ich - jede Scheu verbannend
-
Wen der Weg noch zu mir führe: "Mit wem habe ich die Ehre?"
Hub ich an, weltmännisch höflich: "Sie verzeihen, ich
bin sträflich,
Daß ich Sie nicht gleich vernommen; seien Sie mir
hochwillkommen!"
Und ich öffnete die Türe - nichts als schaudervolle
Leere
Schwarze,
schaudervolle
Leere.
Lang in dieses Dunkel starrend, stand ich fürchtend, stand ich
harrend,
Fürchtend, harrend, zweifelnd, staunend, meine Seele ganz im
Ohre -
Doch die Nacht blieb ungelichtet, tiefes Schwarz auf Schwarz
geschichtet,
Und das Schweigen ungebrochen, und nichts weiter ward
gesprochen,
Als das eine, flüsternd, raunend, das gehauchte Wort: "Leonore"
Das ich
flüsterte "Leonore!"
In mein Zimmer wiederkehrend und zum Sessel flüchtend,
während Schatten meinen Blick umflorten, hörte ich
von neuem klopfen,
Diesmal aber etwas lauter, gleichsam kecker und vertrauter.
An dem Laden ist es, sagt' ich, und mich erheben wagt' ich,
Sprach mir Mut zu mit den Worten: "Sicher sind es Regentropfen"
"Weiter nichts als
Regentropfen".
Und ich öffnete: Bedächtig schritt ein Rabe
groß und nächtig,
Mit verwildertem Gefieder ins Gemach und gravitätisch
Mit dem ernsten Kopfe nickend, flüchtig durch das Zimmer
blickend,
Flog er auf das Türgerüste, und auf einer
Pallasbüste
Ließ er sich gemächlich nieder, saß dort
stolz und majestätisch,
Selbstbewusst und
majestätisch.
Ob des herrischen Verfahrens und des würdigen Gebarens
Dieses wunderlichen Gastes schier belustigt sprach ich:
"Grimmer Unglücksbote des Gestades aus dem
Flußgebiet des Hades
Du bist sicher hochgeboren, kommst du gradwegs von den Toren
Des plutonischen Palastes? Sag, wie nennt man dich Dort -
"Nimmer!"
Hört ich
da
vernehmlich: "Nimmer!"
Ob Wahrlich, ich muß eingestehen,
daß mich eigene
Ideen
Bei dem dunklen Wort durchschwirrten, ja daß mir Gedanken
kamen,
Zweifel vom bizarrsten Schlage; und es ist auch keine Frage,
Daß dies seltsame Begebnis ein vereinzeltes Erlebnis:
Einen Raben zu bewirten mit solch ominösem Namen,
Solch
ominösem
Namen.
Doch mein düsterer Gefährte sprach nichts weiter und
gewährte
Mir kein Zeichen der Beachtung. Lautlos, stille ward's im Zimmer
Bis ich traumhaft, abgebrochen (halb gedacht und halb
gesprochen)
Raunte: "Andre Freunde gingen, morgen hebt auch er die
Schwingen,
Läßt dich wieder in Umnachtung."
Da vernahm ich
deutlich:
"Nimmer."
Stutzig über die Repliken, maß ich ihn mit scheuen
Blicken,
Sprechend: Dies ist zweifelsohne sein gesamter Schatz an Worten
Einem Herren abgefangen, dem das Unglück nachgegangen,
Nachgegangen, nachgelaufen, bis er auf den Trümmerhaufen
Seines Glücks dies monotone "Nimmer" seufzte allerorten,
Jederzeit und
allerorten.
Doch der Rabe lieb possierlich würdevoll,
und
unwillkürlich
Mußt' ich lächeln ob des Wichtes: Alsdann mitten in
das Zimmer
Einen samtnen Sessel rückend und mich in die Polster
drückend,
Sann ich angesichts des grimmen, dürren, ominösen,
schlimmen
Künders göttlichen Gerichtes, über dieses
dunkle "Nimmer",
Dieses
rätselhafte "Nimmer".
Dies und anderes erwog ich, in die Träumeslande flog ich,
Losgelöst von jeder Fessel. Von der Lampe fiel ein Schimmer
Auf die violetten Stühle, und auf meinem samtnen
Pfühle
Lag ich lange, traumverloren, schwang ich mich auf zu Leonoren,
Die in diesen samtnen Sesel nimmermehr sich lehnet, nimmer,
Nimmer, nimmer,
nimmer.
Plötzlich ward es in mir lichter und die Luft im Zimmer
dichter,
Als ob Weihrauch sie durchwehte. Und an diesem Hoffnungsschimmer
Mich erwärmend, rief ich: "Manna, Manna, schick du Gott,
Hosianna;
Lob ihm, der die Gnade spendet, der dir seine Engel sendet!
Trink,
o trink aus dieser Lehte und vergiß Leonore! - "NIMMER!"
Krächzte
da der
Rabe. "Nimmer!"
"Nachtprophet, erzeugt vom Zweifel, seist du Vogel oder Teufel -
Triumphierend ob der Sünder Zähneklappern und Gewimmer
Hier, aus dieser dürren Wüste, dieser Stätte
geiler Lüste,
Hoffnungslos, doch ungebrochen, und noch rein und unbestochen,
Frag' ich dich, du Schicksalskünder: Ist in Gilead Balsam?" -
"Nimmer!"
Krächzte
da der
Rabe. "Nimmer!"
"Nachtprophet, erzeugt vom Zweifel, seist du Vogel oder Teufel -
Bei dem göttlichen Erbarmen, lösch nicht diesen
letzten Schimmer!
Sag' mir, find ich nach dem trüben Erdenwallen einst dort
drüben
Sie, die von dem Engelschore wird geheißen Leonore?
Werd' ich sie dort einst umarmen, meine Leonore?" - "Nimmer",
Krächzte
da der
Rabe. "Nimmer!"
Und auf meinem Türgerüste, auf der bleichen
Pallasbüste,
Unverdrossen, ohn' Ermatten, sitzt mein dunkler Gast noch immer.
Sein Dämonenauge funkelt und sein Schattenriß
verdunkelt
Das Gemach, schwillt immer mächt'ger und wird immer
grabesnächt'ger -
Und aus diesen schweren Schatten hebt sich meine Seele nimmer,
Nimmer, nimmer,
nimmer,
nimmer. |
Jonathan Swift
Er wurde aus Rache zum Kinderbuch-Autor degradiert, so sieht es
jedenfalls Prof. Hermann Josef Real, Leiter des Ehrenpreis-Instituts,
maßgeblicher Swift-Forscher und Übersetzer in
Deutschland.
Die "Reisen zu mehreren entlegenen Völkern der Welt" (Travels
into
several remote nations of the world) deuteten seine Zeitgenossen als
eine Abrechnung mit der englischen Gesellschaft.
"Wahrlich,
überall ist Liliput, wo ein großer Mensch unter
kleine Menschen gerät, die unermüdlich und auf die
kleinlichste Weise ihn abquälen" - Heinrich Heine.
Sein Werk
"Gullivers
Reisen" hat unauslöschliche Spuren
hinterlassen.
Die Begriffe
"Liliputaner"
und
"Yahoo"
stammen von ihm. Mit
unerschöpflicher Fabulierlust teilt er Seitenhiebe auf Kirche,
Staat, der Philosophie und dem Rechtswesen aus.
Astrid Lindgren
Alle Werke Lindgrens haben eines gemeinsam: das
uneingeschränkte
Engagement für die freie Entfaltung und die eigene Welt der
Kinder.
Die berühmteste und anarchistischste Figur
"Pippi
Langstrumpf"
entstand 1944 und war ein Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter
Karin. Mehrere Verlage lehnten das Manuskript ab. Kritiker meinten,
dass der Einfluss der "Pippi-Figur" sich schädlich auf das
Verhalten der Kinder auswirken könnte. Schließlich
lernte
Friedrich Oetinger die Autorin 1949 bei einem Besuch in Schweden kennen
und veröffentlichte "Pippi Langstrumpf" in deutscher
Übersetzung.
Astrid Lindgren erhielt viele Auszeichnungen und wurde 1999 zur
beliebtesten Schwedin des Jahrhunderts gewählt. Bis ins hohe
Alter
kletterte Astrid Lindgren auf Bäume, spielte mit ihren
Urenkeln,
reiste, gab Interviews und antwortete ihren Fans aus aller
Welt.
Im Kreis ihrer Familie starb Astrid Lindgren am 28. Januar 2002 im
Alter von 94 Jahren in ihrer Wohnung in Stockholm.
Mark Twain
Mark Twain ( Samuel Longhorne Clemens) wuchs zunächst in der
kleinen Stadt Florida (Missouri) auf.
1839 zog die Familie nach Hannibal. Diese Stadt diente als Vorlage
für St. Petersburg in dem Roman "Tom Sawyer".
1847 brach Twain die Schule ab, da sein Vater gestorben war. Er begann
eine Lehre als Schriftsetzer, schrieb Geschichten und kleinere Artikel.
Mit 17 Jahren begab sich Mark Twain auf Wanderschaft, reiste zur
Ostküste. Dort ließ er sich zum Mississipi-Lotsen
ausbilden.
Sein Pseudonym -
Mark Twain - bedeutet: "2 Faden" (3,69 m sichere Tiefe für
einen Mississipi-Dampfer).
Als der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach und der
Schiffsverkehr
eingestellt wurde, zog Mark Twain in den Westen und versuchte sich als
Goldgräber.
In Franzisco erhielt er 1866 den Auftrag einer Zeitung, einen
Reisebericht über Hawaii zu schreiben. Daraufhin folgten
Reisen
nach Deutschland, England, Frankreich, an das Mittelmeer, nach Indien,
Australien und Neuseeland.
Aus diesen Reiseberichten entstanden die Bücher
"Die
Arglosen im Ausland",
"Bummel durch Europa" und
"Eine
Reise um die Welt",
die ihm internationalen Ruhm brachten.
Seine berühmtesten Romane sind
"Tom
Sawyer" und
"Huckelberry
Finns
Abenteuer".
Giovanni Boccaccio
Sein weltberühmtes Hauptwerk das
"Decameron"
übte einen
entscheidenden Einfluß auf die italienische Kunstprosa aus.
Seine Novellensammlung beinhaltet zum einen die schonungslose
Darstellung der Pestepidemie in Florenz zum anderen freizügige
Erzählungen über die Liebe. So entsteht eine enorme
Spannung
zwischen Tugend und Laster.
Im Mittelpunkt steht die Liebe. Er will unterhalten und erfreuen, aber
er will auch aufzeigen was und wie das Leben sein könnte.
Nicht
erst im Paradies sondern hier auf Erden; nicht nur für
Männer, nein, auch für Frauen.