Prolog:
Rosalie Janiak flüchtete – wie viele Anderen im Winter 1945 aus Polen
mit ihren Kindern Albert, Oleg, Daniel und Maria aus Polen. Besonders
Maria Janiak konnte die schlimmen Ereignisse auf der Flucht nicht
verdauen. Wie sah es mit den Nachkommen dieser Menschen aus, die mit
ihren traumatisierten Eltern leben mussten, viel Leid erfuhren?
Hauptstrang: Familie Janiak landete in der Gruppe, die mit der Eisenbahn
nach Flensburg fahren sollte. Sie wurden in Flensburg im Barackenlager
Kielseng aufgenommen. Marias Brüder verließen das Lager bald und zogen
ins Rheinland. Rosalie verließ nach ein paar Wochen Maria, da Maria sie
immer wieder schikanierte und zog nach Silberstedt. Maria, die ums
Überleben kämpft, wird schwanger aber lehnt dieses Kind aus einer
Vergewaltigung ab und will es zur Adoption freigeben. Dr. Petersen und
seine Frau Gerlinde wollen das Baby adoptieren. Doch Gerlinde stirbt
nach einem Autounfall kurz vor der Geburt. Maria behält ihr Kind und
entwickelt eine zärtliche Zuneigung. 1948 wurde Helga geboren und lebte
13 Jahre mit ihrer traumatisierten Mutter in Barackenlagern. Ihr Bruder
Hans kam 1956 zur Welt. Maria, die unter Persönlichkeitsstörungen
leidet, klammert sich an ihre Tochter, erwartet Liebe, die Helga ihr
nicht geben kann. Helga, die ihrer Mutter nichts recht machen kann,
sehnt sich nach Anerkennung und Liebe; besitzt einen starken
Überlebenswillen. Sie distanziert sich zwar innerlich von ihrer Mutter,
kümmert sich trotzdem um sie. Den Selbstmordversuchen ihrer Mutter
begegnet sie mit instinktiver Handlungsweise und verhindert deren
Umsetzung. Erst als Maria im hohen Alter an Alzheimer erkrankt, gibt es
Momente, in denen sie frei ist von Misstrauen und egozentrischem
Verhalten. Ihre Gesichtszüge werden weich, strahlen Güte und Liebe aus.
Helga ist dankbar für diese Augenblicke. Der Schutzwall, den sie als
Kind aufgebaut hat, zerbirst. Im Laufe von dreizehn Jahren ziehen Maria
und Helga in drei weitere Flüchtlingslager. Jedes Mal ist damit ein
Schulwechsel von Helga verbunden. Als sie 8 Jahre alt ist kommt ihr
Bruder Hans auf die Welt, um den sie sich verantwortungsvoll kümmert.
Mit beginnendem Realitätsbewusstsein distanziert sie sich innerlich von
ihrer Mutter, baut einen Schutzwall auf. Erst im Alter von zwölf Jahren
entwickelt sich in der Löhmann-Schule eine Freundschaft zur
Klassenkameradin Medi. Durch die einfühlsame Hilfe von Medi und deren
Mutter entwickelt sich Helga zu einem liebenswerten Teenager. Maria
lernt im Lager St. Pauli Fritz kennen. Die beiden heiraten und Fritz
nimmt sie und ihre Kinder in seiner Wohnung auf. Es stellt sich heraus,
dass Fritz bei Problemen schnell ausrastet und besonders Hans häufig
bestraft und schlägt. Die Streitereien zwischen Fritz und Maria sind
laut und vulgär.
Winter 1945
Der Winter im Februar 1945 nimmt keine Rücksicht auf dieMenschen aus dem
Osten, die Ende des Krieges aus Angst vor den Russen ihre Dörfer
und Städte verließen.
Städte, Dörfer und Straßen in Deutschland liegen in Schutt und Asche.
Die Menschen krempeln ihre Ärmel hoch, besonders die Frauen. Brauchbare
Reste der Ruinen werden sortiert. Stein auf Stein entstehen neue Häuser.
Auch die durch den Krieg verwundeten Seelen der Menschen liegen in
Schutt und Asche. Können Seelen narbenlos verheilen? Männer, die
miterleben mussten, wie ihre Kameraden zerfetzt wurden, deren Blut in
ihre Gesichter spritzte; Kameraden, die sie nicht anständig begraben
konnten…? Frauen, die vergewaltigt wurden; die ihre Kinder, ihre Männer
verloren haben; die aus ihrem Heimatland flüchten mussten…?
…und wie wirken sich diese kaum verdaubaren, körperlichen und seelischen
Verletzungen auf die Nachkommen aus.
Viele schließen sich dem Flüchtlingstrecks Richtung Ostsee an und
kämpfen sich vorwärts trotz der unerträglichen Kälte von minus
20°/30°Grad bei Regen, Wind und Schneesturm. Oft wird ihre Kleidung bis
auf die Haut durchnässt.
Einige Menschen finden Platz auf Leiterwagen, die von Pferden gezogen
werden. Andere ziehen ihr Gepäck mit Bollerwagen durch den Schnee. Die
Leiterwagen sind meist überladen. Wenn die Pferde zusammenbrachen,
mussten die Karren von Menschen gezogen werden.
Am Wegesrand kauern hie und da kraftlose alte und junge Menschen; ab und
zu werden verstorbene Babys, Kleinkinder in Decken gehüllt und am
Wegesrand abgelegt. Auch verletzte Pferde liegen dort, die sich mitunter
noch bewegen, bevor sie sterben. Wer Kraft genug hat, trottet weiter und
weiter, Tag für Tag, Woche für Woche. Vielen hilft die vage Hoffnung, an
der Ostseeküste auf eines der Flüchtlingsschiffe zu gelangen.
Andere gehen zu Fuß, schleppen ihre Koffer durch den Schnee oder ziehen
ihr Gepäck auf Bollerwagen mit sich. Die Leiterwagen sind überladen.
Wenn die Pferde zusammenbrechen, mussten auch diese Karren von Menschen
gezogen werden.