Dreizehn Jahre Flüchtlingslager

Familie Janiak

Auch Rosalie Janiak und ihre vier halbwüchsigen Kinder Albert, Oleg, Daniel und Maria beschlossen zu fliehen, als der Kanonendonner in Pyritz immer lauter wird. Ihnen ist bewusst, dass die Strecke von Pyritz bis an die Ostsee ca. 120 km lang ist. Zum Glück bietet ihnen Nachbar Fjodor an, sie mit seinem Leiterwagen mitzunehmen.
Rosalie weiß, dass sie nur wenig Gepäck mitnehmen kann.
Nur die wichtigsten Sachen, wie warme Kleidung, die Ausweise, Erinnerungen und einen Spritkocher. Ihre Jungs packen alles auf den Wagen.
Sie geht auf Fjodor zu und umarmt ihn. Tränen rinnen ihr über das Gesicht: "Lieber Fjodor, du bist ein guter Mensch. Hast selbst so viel auf dem Wagen."
Fjodor holt ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und trocknet ihre Tränen. "Rosalie, das ist doch selbstverständlich, dass wir uns in dieser schlimmen Zeit gegenseitig helfen.
Sag deinen Jungs, dass sie sich zum Ausruhen auf dem Wagen mit meinen Söhnen abwechseln. Du und Maria, ihr könnt auf dem Wagen bleiben."
"Ja, Fjodor, die Jungs sind stark genug. Ich werde mich um Maria kümmern. Ihr geht es nicht gut. Sie schläft viel und isst kaum etwas."
Fjodor fährt sich mit seiner Hand durch sein dichtes braunes Haar: "Dieser endlose Krieg hat den Menschen viel Leid und Elend angetan. Es wird noch etliche Jahre dauern, bis alle Ruinen abgetragen sind und neue Häuser entstehen."

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