Robert
begrüßte ihn auf dem Parkplatz. "Na, endlich! Dann
kann es ja los
gehen. Gute Fahrt gehabt? Schade, dass du heute
schon
fahren willst, und dann auch noch gleich nach dem Essen“,
hörte er ihn
mit einem leicht beleidigten Ton in der Stimme sagen. "Ich finde das
ungemütlich. Wie konnte dir das passieren, zwei Termine am
gleichen
Tag? Hast du sie wirklich nicht mehr verlegen können?"
"Nein,
das hab' ich dir doch erklärt."
Robert schlug den
Kofferraumdeckel unsanft zu. "Ich hasse Zeitdruck, ich hasse Zeitdruck,
verdammt, das weißt du doch".
Bis zur Hütte waren sie ungefähr
eine halbe Stunde unterwegs. Robert ging rechts am Waldrand den Weg
entlang. Es war recht kühl, kleine Nebelschwaden
lösten sich vom Gras.
Die beiden Männer gingen schweigend nebeneinander her. Markus
beobachtete Robert von der Seite. Robert schnaufte leicht, da es jetzt
langsam bergan ging. Er war um einen Kopf kleiner als Markus, pummelig
und seine großen Füße zeigten wie bei
Charlie Chaplin nach außen.
Dennoch hatte Robert eine sympathische Ausstrahlung, besonders wenn er
lachte.
Wenn Robert lacht, lacht sein ganzer Körper,
seine Mundwinkel verziehen sich fast bis hin zu den Ohren, die wiederum
leicht abwärts rutschen. Er kiekst erst ein paar Mal bis sein
Lachen
aus dem Bauch heraus, welcher fröhlich mithüpft,
immer stärker
anschwillt. Seine Hände schnellen nach oben und die
Füße wippen mit.
Man sagt, dass nichts so ansteckend sei, wie das Lachen. Nun, Roberts
Lachen war besonders ansteckend. Wenn irgendwo in ihrer Firma eine
Gruppe Menschen herzhaft lacht, so kann man davon ausgehen, dass Robert
es ausgelöst hat.
So, wie vor zwei Jahren, als sie
einen Betriebsausflug nach Prag unternahmen. Eigentlich wollte Markus
alleine mitfahren. Doch Katharina hatte so lange darum gebettelt
mitzukommen, dass er schließlich einwilligte. Warum hatte er
sich nur
weich klopfen lassen. Es könnte alles noch in Ordnung sein.
Sie wäre
Robert nie über den Weg gelaufen. Die Erinnerung
löste Schmerzen in
seinem Brustraum aus. Er sah Katharina vor sich.
Dort
stand der Bus, den der Betrieb für den Ausflug nach Prag
organisiert
hatte. Katharina gesellte sich bald zu seinen Kollegen, plauderte mit
ihnen, lächelte. "... das liegt daran, dass ich
Mathematik-Lehrerin
bin", sagte sie. "Ich liebe Pythagoras und seine Sätze. Mathe
kann so
spannend sein. Wenn meine Schüler mit hochroten Wangen an der
Tafel
stehen und mit den anderen das Rätsel einer kniffligen
Mathe-Aufgabe
lösen, fiebere ich genauso mit. Wie ist ihr
Verhältnis zur Mathematik?"
Markus
konnte ihr stundenlang zuhören, selbst trockene, auf den
ersten Blick
langweilige Inhalte, gab sie mit viel Witz und Charme wieder. Das
Sonnenlicht ließ Katharinas blonde Haare, die sie zu einem
Pferdeschwanz gebunden hatte, golden glänzen. Sie trug ein
maigrünes
T-Shirt zu ihrer weißen Caprihose. Die Kleidung schmiegte
sich an ihre
zarte Figur an. Markus genoss es voyeuristisch, dass seine Kollegen
Katharina anstarrten, um sie herumwuselten, ihr Gespräch
suchten. Er
lebte seit sechs Jahren mit ihr zusammen. Sie war ihm treu -
sie unterhielt sich eben gern - auch mit Robert.
Pah,
Roberts Lachen ... nun, im Moment gab es nichts zu lachen. Noch immer
gingen sie schweigend nebeneinander her. Sie waren an der Bergkuppe der
Anhöhe angelangt und vor ihnen öffnete sich ein
zauberhaftes Tal.
Robert blieb stehen, um zu verschnaufen. An der Hütte
angekommen,
legten Sie die Rucksäcke erst einmal in den kleinen Flur.
Robert
stellte noch schnell die Lebensmittel in den Kühlschrank.
Bevor sie mit
den Körben zum Pilze sammeln loszogen, schnappten sie sich
noch zwei
Stöcke, mit denen sie Laub und Moos beiseite schieben konnten.