Robert
deutete auf das Gebüsch am Waldrand. "Hier geht es weiter!"
Markus
sah sich verwundert um. "Ich seh' keinen Weg."
Robert schob
die Zweige des Holunderbusches zur Seite und zwängte sich
durch. "Pilze
wachsen im Wald, unter und hinter pieksenden Sträuchern, von
Moos und
Laub bedeckt. Sie verstecken sich mit Absicht, wollen nicht gefressen
werden. Aber ich werde sie finden! Also, Augen zu und durch." Markus
hörte weder den Gesang der Vögel, noch sah er den
frischgrünen
Moosboden, auf dem die Sonnenstrahlen ihre Muster bildeten. Er griff in
seine Westentasche. Der kleine Plastikbehälter war noch dort.
Sie
waren bereits eine Stunde unterwegs. Markus stocherte abwesend mit dem
Stock im Moos herum, während er fieberhaft nach
Knollenblätterpilzen
suchte. Wüste Gedanken marterten ihn, schoben sich in den
Vordergrund.
Knollenblätterpilz - tödlich giftig! - So hatte er es
im Internet
recherchiert - weißer Knollenblätterpilz,
Verwechslung möglich mit
Champignon ... enthält Krampf- und Lebergifte,
blutauflösende Gifte ...
tödliche Dosis 2 - 5 Gramm ... Verwechslung möglich
mit Champignon.
- Nur die weißen Lamellen? – Jedoch bei
den ganz jungen
Pilzen sah man die Lamellen nicht so.
"Markus, wo
bist du? - Komm, das musst du dir anschauen!"
"Maronen!"
Robert zog seine Augenbrauen hoch. "Beste Qualität!" Er hielt
Markus
einen Pilz direkt vor die Nase. "Samtig brauner Hut, der Schwamm
makellos und frisch."
"Ja, tatsächlich", sagte Markus tonlos.
"Was
ist mit dir heute bloß los? Hast du Liebeskummer, Geldsorgen;
überlegst
du, wie du mich umbringen kannst? - Schau dir diese Pilze an!"
Markus
zuckte zusammen. "Ja, ja, schön die Pilze und so viele."
Unglaublich,
das hatte er noch nie gesehen. Maronen, große und kleine, in
Grüppchen
waren sie aus dem Moos herausgewachsen. Robert, der auch beim Pilze
suchen immer die schönsten und größten
Exemplare entdeckte. Wieder
marterte Markus nur ein Gedanke: Knollenblätterpilze ...
hoffentlich
fand er noch welche.
Knol-len-blät-ter-pil-ze-Knol-len-blät-ter-pil-ze-Knol-len-blät-ter
...
ratterte es in seinem Gehirn. Nur nichts anmerken lassen.
Da,
gleich hinter Robert, leuchtete etwas weiß ... nicht
umdrehen,
bitte,
nein ... zu spät. Robert drehte sich um und ... "Ah,
weiße
Knollenblätterpilze ..." So ein Mist, selbst die Giftpilze ...
Markus
holte tief Luft und ging auf Robert zu, der weiter lamentierte. "Ich
versteh' nicht, wie man die mit Champignons verwechseln kann. Schon auf
den ersten Blick ... Anis- und auch Wald-Champignons sind eher
cremigweiß, leicht rosafarben. Und dieser Pilz hier" - er
deutete mit
dem Stock auf einen der größeren
Knollenblätterpilze - "ist grellweiß,
sieht phosphoreszierend aus. Die anderen Merkmale kennst du ja."
Markus
nickte nur. Warum war er nur so blöd und glaubte, dass er
Robert
überlisten könnte. Robert würde es merken,
spätestens beim putzen und
schneiden der Pilze. In seiner sarkastischen Art würde er
sagen, "Du
wolltest mich wohl umbringen Markus!" Seine Mundwinkel würden
sich
hochschieben, ein Kieksen ... ein Prusten!
Markus bemerkte,
dass Robert ohne seinen Korb weiter gegangen war. Er wurstelte sich
gerade durch das Unterholz. Die Chance nutzte er. Er stellte seinen
eigenen Korb so an den Holunderbusch, dass man ihn erst bei
näherem
Hinsehen entdecken würde, nahm Roberts Korb an sich und ging
weiter. Er musste ihn ablenken,
vergrößerte den Abstand zu
Robert. Da, der Weg, mit einem kleinen Sprung bewältigte er
einen
kleinen Graben und stand nun auf dem Waldweg.