Champigons à la greque

Sie lässt sich nicht zwingen ... Markus  sah Katharina vor sich, wie sie mit ihrer Gitarre auf dem Teppich im Wohnzimmer saß. Es war eines ihrer Lieblingslieder, eine alte Volksweise aus Siebenbürgen.

„Es war ein klein wild Vögelein ... und niemand kann mich zwingen!“

Warum bist du nur zu Robert geflogen, Wald-Vögelein? War es sein Lachen? Pah, Roberts Lachen, das hatte ihm zwar geholfen, Katharina zu erobern, doch nach ein paar Wochen ist sie davon geflogen, hat niemanden gezwitschert wohin. Eine Karte, das war alles. Sie wolle nicht zwischen uns stehen, wo wir doch so gut befreundet seien.
Wieso wusste Robert ihre neue Adresse? Trafen sie sich? Er merkte, wie sich seine Hände ballten, sah, wie die Knöchel weiß hervorstanden. Fäuste, die losschlagen wollten, die er mühevoll zurückhielt. Nur nichts anmerken lassen.

Der Wald wurde lichter, Sonnenstrahlen wärmten seinen Rücken.
Robert schaute auf seinen Korb "Wir gehen über die Wiese da vorn zurück zur Hütte. Das ist sogar eine Abkürzung. Die paar Champignons sind schnell geerntet. Ich denke, dass wir heute früher essen sollten, vielleicht so um sechs. Das würde dir doch gut passen."
"Mmh, gute Idee", murmelte Markus.
Das klappte besser, als er erwartet hatte, so gewann er mehr Zeit. Bei einem Verzehr von Knollenblätterpilzen treten erst nach 8 bis 24 Stunden die ersten Anzeichen einer Vergiftung auf. Bis dahin war er schon fort. Hilfe rufen konnte Robert nicht, es gab kein Telefon und sein Handy hatte oben bei der Hütte keinen Funkkontakt.
Robert holte aus seiner Westentasche einen Stoffbeutel hervor. "Wir können ein paar von den besonders großen Pilzen vorsichtig hier reinlegen, dann haben wir Platz für die Champignons." Schließlich gingen beide ein paar Meter voneinander entfernt langsam über die Wiese, suchten jeden Quadratmeter sorgfältig nach Pilzen ab.

Markus Gedanken schossen hin und her - es fiel ihm in der letzten Zeit schwer, sich zu entscheiden. Vielleicht sollte er abwarten. Es musste eine andere Lösung geben. Und wenn er sich beruflich veränderte?  Bisher klebte er nur wegen Robert an seiner Stellung. Er hoffte darauf, dass Robert ihn, wie es früher war, beruflich mit nach oben trug. Robert war inzwischen in die Chef-Etage aufgestiegen, während er immer noch auf seinem alten Posten saß. Den letzten gemeinsamen Entwurf hatte Robert, während seiner Abwesenheit, als seinen ausgegeben und genau auf diesen Entwurf war die Geschäftsleitung total abgefahren. Pah, Robert und sein Lachen ... während andere sich die Karriereleiter hoch bumsten, lachte sich Robert von Stufe zu Stufe hoch.
Er musste einfach weg von ihm, weg von diesem Ort, der überall nach Katharina roch. Vielleicht war es sogar möglich, dass er Katharina dann zurück erobern konnte. Er müsste nur zärtlicher, behutsamer mit ihr sein. Auch ein Wald-Vögelein kann man zähmen.

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