Champigons à la greque

Sie hatten das Ende der Wiese erreicht.
"Verdammt! Da waren welche vor uns da, schimpfte Robert. Die waren ganz schön raffgierig, haben radikal alles abgeerntet."
Markus war darüber fast erleichtert. Keine Champignons - kein Mord! Eigentlich war es auch gut so, dachte er.
"Ist nicht so schlimm, das mit den Champignons", sagte Robert, "brauche für mein Rezept heute sowieso hauptsächlich Waldpilze."
"Keine Champignons," fragte Markus verdutzt.
"Nein, ich hätte sie nur gern gleich mitgesammelt und dann eingefroren, weil das Wetter heute so schön ist und du auch seltener Weise da bist. Aber du wirst begeistert sein, was ich dir heute auftische, auch ohne Champignons."
Markus lächelte vor sich hin, es war ein schöner Tag, viel zu schade, um jemanden umzubringen, sein Magen freute sich hörbar auf die kulinarischen Köstlichkeiten, die es heute noch geben würde. Doch was dann folgte, konnte niemand ahnen. Im nach hinein kam es Markus vor, als ob ein Spot den anderen jagte:

Robert stoppte plötzlich. "Komm, hier könnten wir doch noch welche finden." Und tatsächlich, auf dem Feld, das rechts am Weg lag, fanden sie hervorragende Champignons, die sie einsammelten.
Robert sprach auf dem Rückweg viel über Katharina, dass er bereit wäre, für sie alles zu tun. Er würde sie sogar heiraten. Markus Fäuste ballten sich. 
"Schau, Markus, du musst das einfach mal einsehen, dann geht es dir auch wieder gut. Such dir eine Frau, die besser zu dir passt. Katharina hat einen sehr komplizierten Charakter - ich mag das, bin mir aber auch nicht sicher, ob ..."
Die Knollenblätterpilze in Markus  Brusttasche regten sich, schrieen: "Mach ihn fertig, dieses Schwein!"

Dann vor der Hütte, als sie die Pilze putzten, bat Robert ihn, einen Teil der größeren Champignons für die Füllung ganz fein zu hacken. Es passte einfach alles. War ganz einfach,  Robert ging in die  Küche.  Er konnte in aller Ruhe nach und nach die Knollenblätterpilze aus der Plastikdose nehmen, ganz fein schneiden und unter die bereits gehackten Champignons mischen. Er schaute sich die Mischung an und war zufrieden. Schnell füllte er alles in eine Gefrierdose. Die kleinen übrig gebliebenen Champignons wanderten in einen Extra-Behälter. Beide Dosen wurden in das Gefrierfach gestellt. Irgendwann würde Robert die fein zerhackten Pilze verwenden. Niemand würde auf die Idee kommen, dass Markus damit etwas zu tun hat. Eine katastrophale Verwechslung, werden sie in der Zeitung berichten - der perfekte Mord!

Obwohl die Reh-Medaillons hervorragend schmeckten, konnte er heute kaum etwas essen. Seine Speiseröhre weigerte sich. Er fühlte sich satt und hungrig zu gleich. Auch Roberts  Versuche, ihn zu ermuntern, misslangen. Schließlich verabschiedete er sich, marschierte zu seinem Auto, fuhr nach Hause, legte sich bald völlig erschöpft in sein Bett und wachte erst Sonntagnachmittag auf.

Katharina hatte ihm eine SMS geschickt, sie hätte Urlaub, könnte Montag in die Stadt kommen und würde ihn gerne mal wieder treffen, am besten in einem Café oder so. Natürlich wollte er, tippte mit zitternden Fingern eine SMS. Morgen Nachmittag? Ja, das ginge! Er musste sowieso etwas für Connect in der Stadt besorgen.

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